Das falsch gewählte ERP

Wir treffen in unserer Beratungstätigkeit immer wieder auf Firmen, die sich mit einem unzureichend ausgestatteten ERP herumschlagen. Die Muster ähneln sich: Jahre zuvor wurde in einer Hauruck-Aktion ein ERP-System angeschafft. Aus welchen Gründen auch immer, wurde auf ein strukturiertes Auswahlverfahren verzichtet. Vielfach gaben persönliche Verbindungen zu einem Anbieter den Ausschlag. Die fehlende Auseinandersetzung mit den tatsächlichen betrieblichen Anforderungen blieb nicht ohne Folgen für die Produktivität, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen.

Beispiel 1 – mittelständischer Produzent von Kunststoffteilen aus Süddeutschland

Bei der ERP-Auswahl wurde darauf geachtet, dass das System Produktionsprozesse unterstützt, wie sie bei einem Serienfertiger auf der Tagesordnung stehen. Auch die Bereiche Finanzbuchhaltung, Vertrieb, Einkauf und Lagerverwaltung werden hinreichend vom gewählten ERP-System abgedeckt. Jedoch fehlt der im Kunststoffspritzguss wichtige Bereich der Werkzeugverwaltung. So lässt sich beispielsweise die Anzahl der Kavitäten nicht verwalten. Diese gibt bei sog. Mehrfachwerkzeugen wieder, welche Anzahl des Produkts in einem Takt gleichzeitig gespritzt wird. Die Kavitäten sind also ein wichtiger Wert für die Kapazitätsplanung. Die fehlende Werkzeugverwaltung bringt ein weiteres Manko mit sich. Da einige Werkzeuge für mehrere Produkte verwendet werden können, ist es wichtig, schnell alle betroffenen Artikel identifizieren zu können, die bei einem Werkzeugproblem betroffen sind.

Die Auswirkungen

Die im ERP fehlende Werkzeugverwaltung hat notgedrungen dazu geführt, dass viele Informationen in MS Excel verwaltet werden. Die fehlende Verbindung zum ERP führt immer wieder zu Mehraufwand und Missverständnissen, weil die Daten unstrukturiert sind und nur von wenigen Mitarbeitern zur Gänze verstanden werden.

Bei einem guten ERP greifen alle Module ineinander.

Beispiel 2 – Maschinenbauer aus Westdeutschland

Das Unternehmen fertigt Maschinen für das Transportwesen. Aufgrund der veränderten Nachfrage entwickelte sich die vormalige Kleinserienfertigung zusehends in Richtung Variantenfertigung mit Stückzahl = 1. Damit ergab sich u.a. die Anforderung sog. wachsende Stücklisten zu verwalten, die iterativ komplettiert werden, während Einkauf und Fertigung schon parallel zur Konstruktion ihre Tätigkeit aufnehmen. Das Unternehmen reagierte mit einer Flut von Individualanpassungen auf diese und andere Problemstellungen.

Die Auswirkungen

Die ausufernden Individualanpassungen haben das ERP-System an den Rand der Benutzbarkeit gebracht. Die Vielzahl der Sonderanpassungen ist kaum mehr zu überblicken. Noch schlimmer ist, dass das Vertrauen in das ERP erheblich gesunken und eine Neuanschaffung praktisch unausweichlich ist.

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