ERP-System für die Kunststoff-Industrie

Die Kunststoff-Industrie bringt die Anforderungen der Serienfertigung mit sich. Deshalb kann ein ERP-System in der Kunststoff-Branche nur dann punkten, wenn es die vielfältigen branchenspezifischen Punkte erfüllt. Ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Industrien ist, dass Werkzeuge als limitierender Produktionsfaktor zu verwalten sind. Die klassischen PPS-Funktionen stellen für ein ERP-System in der Kunststoff-Branche lediglich die Basis dar. Bei der ERP-Auswahl stehen daher die spezifischen Anforderungen der Kunststoff-Industrie an oberster Stelle.

ERP-System in der Kunststoff-Branche – kommerzielle Aspekte

Vielfach werden die Produkte individuell für einen Kunden entwickelt. Die Stückzahlen werden in Rahmenvereinbarungen vertraglich festgehalten. Ein ERP-System in der Kunststoff-Branche muss deshalb Rahmenaufträge und Abrufe verwalten können. Folgende Funktionen sind dabei vorteilhaft:

  • Rahmenaufträge werden in unterschiedlichsten Varianten ausgehandelt. Ideal ist, wenn das ERP-System für die Kunststoff-Branche mehrere Optionen für die Rahmenaufträge verwalten kann: Zeitliche Befristung ja/nein, Vereinbarung Lieferzeit für Abrufe, Preis abhängig von Abrufmenge und Verwaltung der Soll-Abrufe.
  • Um den Vertrieb zu entlasten und Fehler zu vermeiden, sollten die Abrufe direkt ins ERP-System des Kunststoff-Verarbeiters importiert werden können.
  • Durch die hohen Stückzahlen kommt es bei den Preisen in der Kunststoff-Industrie vielfach auf die Stellen nach dem Komma an. Damit liegt auf der Hand, dass ein leistungsfähiges Modul für die Kalkulation unabdingbar für ein ERP-System in der Kunststoff-Branche ist.
  • Das i-Tüpfelchen ist, wenn im ERP-System verwaltet werden kann, ob die Werkzeuge dem Kunden oder dem Kunststoff-Verarbeiter gehören. Im zweiten Fall sollten die Werkzeuge direkt mit der Anlagenbuchhaltung verknüpft sein.
ERP-System Kunststoff-Industrie muss neben Serienfertigung diverse Anforderungen der Branche beherrschen

ERP-System Kunststoff-Industrie: Es gibt einige branchenspezifische Besonderheiten           Bild: tchara/Shutterstock

ERP-System in der Kunststoff-Industrie – technische Aspekte

Im technischen Bereich liegt die eigentliche Messlatte für ein ERP-System der Kunststoff-Branche. Hier entscheidet sich, wie praxistauglich ein ERP-System wirklich ist. Die effektive Arbeitsvorbereitung spielt wie bei allen Serienfertigern eine wichtige Rolle. Typische Anforderungen der Branche sind:

  • Die Werkzeuge müssen als kapazitiv begrenzte Ressourcen geführt werden können. Dies gilt für das Werkzeug an sich aber auch für einzelne Werkzeugkomponenten.
  • Die Anzahl der sog. Kavitäten oder Nester des Werkzeugs muss im ERP-System mitgeführt werden. Darunter versteht man die Anzahl der Produkte, die pro Takt gefertigt werden. Diese Größe ist veränderlich, weil einzelne Kavitäten Schaden nehmen können. Die Zahl der Kavitäten fließt in die Ressourcenplanung mit ein.
  • Im Kunststoffspritzguss ist es möglich, dass recyceltes Granulat zu einem gewissen Anteil wieder in den Fertigungskreislauf einfließt. Dieser Vorgang muss sowohl mengen- als auch wertmäßig im ERP-System des Kunststoff-Verarbeiters vollzogen werden können.
  • Die Ensprodukte werden häufig in Abstimmung mit den Kunden nach technischen oder sonstigen Anforderungen weiterentwickelt. Daraus resultiert die Notwendigkeit Versionen oder Revisionen zu führen. Der Versionsstand ist ein Merkmal beim Artikel, beim Werkzeug und ggf. auch in Stückliste und Arbeitsplan.

Die besondere Rolle der Fertigungsplanung in der Kunststoffbranche

Die täglich neu zu treffende Entscheidung über die richtige Belegung der Maschinen ist in vielen Branchen eine echte Herausforderung. In der Kunststoffbranche kommt erschwerend hinzu, dass neben Maschine, Material und Personal auch Fertigungshilfsmittel also Werkzeuge als limitierender Produktionsfaktor zu planen sind. Zudem hat man es oft mit Mehrmaschinenbedienung zu tun und es gilt zwischen Einrichtungs- oder Rüst- und Bedienpersonal zu unterscheiden.

In Unternehmen mit kleinen Stückzahlen kommt der Rüstoptimierung eine besondere Bedeutung zu. Die Rüstoptimierung ist eine knifflige Angelegenheit, wenn mehrere Faktoren wie Zylinderwechsel, Werkzeugwechsel, Materialwechsel und Reinigungsaufwand (wg. Farb- oder Materialreihenfolge) abzuwägen sind. Hier versprechen grafische Leitstände zur Feinplanung (auch APS = Advanced Planning and Scheduling) Abhilfe. Diese sind in der Regel Bestandteil von MES-Systemen (Manufacturing Execution System). Leitstände berechnen mit Hilfe von Planungsalgorithmen einen oder mehrere Vorschläge für die Maschinenbelegung. Dabei werden die Fertigungsaufträge unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen (Maschine, Material, Personal, Fertigungshilfsmittel) in eine möglichst optimale Reihenfolge gebracht und dabei Ziele wie Terminerfüllung und geringe Kapitalbindung erfüllt.

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Weiterführende Links

Referenzbericht Silikon-Technik Siltec GmbH
Vom Materialfluss zum Wertefluss zum Beitrag
Literaturtipp “Die effektive Arbeitsvorbereitung”
Mehr über die Fertigungsplanung im Artikel “MES-Software: präzise Planung der Fertigung”.
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